Ehemalige BetCity-Eigentümer verklagen Entain auf Schadensersatz

Symbolhafte Darstellung der Klage von BetCity gegen Entain

Die ehemaligen Eigentümer des niederländischen Glücksspielanbieters BetCity haben den britischen Glücksspielkonzern Entain auf über 100 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Dabei hatte ursprünglich Entain eine Klage gegen BetCity eingereicht. Es geht um Kenntnisse zu Ermittlungen der Kansspelautoriteit (KSA), der Glücksspielbehörde der Niederlande.

Symbolhafte Darstellung der Klage von BetCity gegen Entain

BetCity hat eine Gegenklage gegen Entain eingereicht und fordert Schadensersatz (Symbolbild). © OnlineCasinosDeutschland.com/DALL-E

Entain fühlt sich von BetCity hintergangen

Im Januar 2023 habe Entain 450 Millionen Euro für die Übernahme von BetCity bezahlt, wie das Fachmagazin iGaming Business erklärt. Ein Jahr später habe Entain jedoch Schadensersatz von den ehemaligen Eigentümern von BetCity gefordert, weil diese Ermittlungen durch die KSA verschwiegen hätten.

Als Konsequenz der Ermittlungen habe Entain als neuer Eigentümer von BetCity eine Millionenstrafe zahlen müssen. Zudem hätte Entain eigenen Angaben zufolge nicht so viel Geld in die Übernahme von BetCity investiert, wenn die Ermittlungen bekannt gewesen wären.

Laut Entain hätten die ehemaligen Eigentümer von BetCity Dokumente vor dem Verkauf an Entain Dokumente unterzeichnet, aus denen hervorgegangen sei, dass ihnen von laufenden Ermittlungen gegen BetCity nichts bekannt gewesen sei. Entain habe den ehemaligen Eigentümern unterstellt, diesbezüglich eine Falschaussage getätigt zu haben.

Ehemalige BetCity-Eigentümer bezichtigen Entain

In der Gegenklage würden die ehemaligen Eigentümer von BetCity nun aber Entain vorwerfen, Kenntnis von den Ermittlungen gehabt zu haben. Dies sei in der Akquisitionsphase in den Jahren 2022 und 2023 geschehen.

Die ehemaligen Eigentümer von BetCity hätten nach eigener Aussage im November und Dezember 2022 Entain in mehreren Nachrichten über die laufenden Ermittlungen informiert. Hierfür habe es neben E-Mails und Telefongesprächen auch ein persönliches Treffen am 17. November 2022 gegeben.

Es solle sogar ein Schreiben vom 10. Dezember 2022 existieren, in dem Entain seine Sorge hinsichtlich der laufenden Untersuchungen zum Ausdruck gebracht habe. Dies habe auch Auswirkungen auf die Verhandlungen zur endgültigen Höhe des Übernahmeangebotes gehabt.

Entain möchte sich von vielen Marken trennen

Die neue Geschäftsführung von Entain soll eine umfangreiche Rationalisierung des Markenportfolios von Entain planen. Auch der Verkauf von BetCity sei Bestandteil dieser Strategie.

Es handelt sich dabei um eine Abkehr von der Expansionspolitik, die unter Ex-CEO Jette Nygaard-Andersen bis zu ihrem Ausscheiden im vergangenen Jahr stark vorangetrieben wurde. Die Anleger von Entain hätten der Akquisitionsstrategie bereits seit längerer Zeit kritisch gegenüber gestanden.

Entain befindet sich derzeit in einer schwierigen Phase, denn das Unternehmen musste im vergangenen Jahr einen milliardenschweren Rekordverlust hinnehmen. Auch wenn das neue Management betont, dass man sich derzeit von Altlasten befreie, scheinen diese den Konzern bisher immer wieder einzuholen.

Wie geht es weiter?

Beide Klagen sollen am High Court of Justice verhandelt werden. Termine für die Verhandlungen seien jedoch noch nicht bekannt. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich zudem nur darüber spekulieren, welche der beiden Parteien im Recht sein könnte.

Laut iGaming Business sei mit einem langwierigen Verfahren zu rechnen. Ein Verkauf von BetCity an ein anderes Unternehmen könnte sich aufgrund der Gegenklage ebenfalls verzögern.

Author: Kevin Hughes