Entain zieht sich aus 140 unregulierten Glücksspiel-Märkten zurück

Ein Globus, der die Antarktis zeigt

Der international tätige Glücksspielkonzern Entain wird sich aus 140 unregulierten Glücksspielgebieten zurückziehen und verzichtet eigenen Angaben zufolge auf relevante Umsätze. Zuletzt hatte das Unternehmen hohe Strafen wegen verschiedener Verstöße gegen Glücksspielauflagen zahlen müssen.

Ein Globus, der die Antarktis zeigt

Entain hat sich aus 140 Gebieten zurückgezogen, in denen das Glücksspiel nicht reguliert ist. (Symbolbild) © Lara Jameson/pexels.com

Interne Dokumente legen Rückzugs-Strategie offen

Die Financial Times bezieht sich in einem Bericht auf interne Dokumente von Entain, wonach der Glücksspielkonzern den Rückzug aus 140 Märkten plane oder bereits vollzogen habe [Artikel auf Englisch].

Der systematische Verschlankung des Konzerns habe bereits im November 2020 begonnen und sei intern als Project Sunrise bezeichnet worden. Bereits zum 17. Dezember 2020 habe Entain 100 Märkte verlassen, weitere Austritte seien zwischen 2021 und 2023 erfolgt.

Entain zufolge habe der Konzern durch diese Entscheidung auf etwa 100 Millionen GBP (ca. 116 Millionen Euro) Umsatz verzichtet. Allerding sei der Glücksspiel-Riese der Auffassung, “das Richtige” getan zu haben, wie es Barry Gibson, einer der Vorsitzenden von Entain, formuliert habe.

Greg Johnson, Analyst bei Shore Capital, habe jedoch kritisiert, dass der Schritt von Entain seiner Meinung nach keinesfalls beeindruckend sei:

Ich kann nicht verstehen, warum es eine große Leistung sein soll, sich aus Märkten zurückzuziehen, in denen man entweder nie wirklich war oder überhaupt nicht hätte sein sollen. – Greg Johnson, Analyst bei Shore Capital, Quelle: Financial Times

Allerdings müsse man Entain zugutehalten, dass der Konzern als einziges großes Glücksspielunternehmen sich konsequent aus Graumärkten zurückgezogen habe, während andere Anbieter hier noch Umsätze erzielen würden.

Aus welchen Märkten hat sich Entain zurückgezogen?

Die vollständige Liste aller Regionen, aus denen sich Entain zurückgezogen haben soll oder dies plant, wird nicht öffentlich kommuniziert. Laut Financial Times sei Entain aber auf jeden Fall nicht mehr in der Antarktis, auf den Pitcairn-Inseln oder im Vatikan tätig.

Diese Regionen können im Glücksspielkontext relevant sein, weil Anbieter hier ihren Sitz haben und formell aus dem Gebiet operieren, obwohl sie Glücksspiel im Internet anbieten.

In größeren Märkten sei teilweise noch keine Entscheidung gefallen. Medienberichten zufolge habe Entain auch den Rückzug aus Brasilien, Chile, Peru und Mexiko geplant. Da aber beispielsweise Brasilien bei der Legalisierung des Glücksspiels zuletzt große Fortschritte gemacht hat, könnte dies dafür sprechen, dass Entain in einigen dieser Märkte aktiv bleibt oder wieder eintreten wird.

Entain steht unter Druck

Nach dem Wechsel an der Unternehmensspitze hatte die Entain-Aktie zunächst etwas zugelegt, bewegt sich inzwischen aber wieder eher seitwärts.

Der Rückzug aus den unregulierten Märkten scheint auch finanzielle Einbußen mit sich zu bringen. Er könnte aber auch etwaige rechtliche Auseinandersetzungen in Zukunft vermeiden und präventiv vor weiteren Strafen, wie den zuletzt angesetzen 585 Millionen GBP aufgrund von Verstrickungen in illegale Aktivitäten, schützen.

Es bleibt abzuwarten, ob Entain sich in legalen Glücksspielmärkten behaupten wird und das Wachstum antreiben kann.

Author: Kevin Hughes