Glücksspiel-Metropole Macau: Von Kolonie zu Casino-Königreich

Das Grand Lisboa Casino von einer Straße in Macau aus gesehen

Im Februar 2023 war einer unserer Nachrichten-Redakteure in der faszinierenden Glücksspielstadt Macau. – Grund genug für uns, einen Artikel zum Thema zu schreiben. Was genau macht Macau aus und wie wurde sie es zu dem, was sie heute ist, nämlich zu einer der größten Gambling-Destinationen der Welt?

Das Grand Lisboa Casino von einer Straße in Macau aus gesehen

Das Grand Lisboa ist das wohl bekannteste Wahrzeichen Macaus. © Yannick Schroth

Das Glücksspiel ist eine milliardenstarke Industrie, die auf der ganzen Welt sowohl Interesse als auch Kontroversen weckt. Nicht anders ist dieses an der Küste des südchinesischen Meeres, wo die Sonderverwaltungszone Macau liegt, die zur der Volksrepublik China gehört. Dieser kleine Verwaltungsbezirk an der Südküste Chinas hat sich über die Jahre zu einem globalen Zentrum für Luxuscasinos und hochkarätige Glücksspiele entwickelt, in dem jedes Jahr Millionen von Glücksspiel begeisterten Menschen aus aller Welt zusammenkommen. Nicht umsonst trägt sie auch die Kosenamen “Monte Carlo des Ostens” und “Las Vegas des Ostens”.

In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die faszinierende Geschichte von Macau als Glücksspielmetropole. Angefangen beim bescheidenen Ursprung des macauischen Glücksspiels im 19. Jahrhundert über die Ära des Monopols der Sociedade de Turismo e Diversões de Macau (STDM), bis hin zum Aufstieg der Stadt zur weltweit führenden Glücksspieldestination.

Die Wurzeln Macaus: Koloniale Vergangenheit und Sonderstellung in der Gegenwart

Macau, das offiziell als Sonderverwaltungszone Macau der Volksrepublik China bezeichnet wird, liegt direkt westlich von Hongkong. Reisende mit starkem Magen können die Stadt von Hongkong aus per Fähre erreichen. Allen anderen bleibt nur der Bus über die längste Überwasserbrücke der Welt, die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke, oder die direkte Anreise per Flugzeug. Schon vor der Ankunft setzt Macau also die Messlatte mit Superlativen ziemlich hoch.

Gut zu wissen: Mit einer Fläche von nur etwa 32 Quadratkilometern und einer Bevölkerung von ganzen 650.000 Menschen ist Macau übrigens auch das am dichtesten besiedelte Gebiet der Welt, noch deutlich vor Monaco und Singapur.

Geographisch besteht Macau aus der Halbinsel Macau und zwei Inseln, Taipa und Coloane, die durch Brücken und künstlich aufgeschüttete Landmassen miteinander verbunden sind. Macau ist jedoch nicht gleich Macau. Jede Ecke der Stadt hat ihren eigenen Charme – von den kolonialen portugiesischen Gebäuden in der Altstadt bis hin zu den leuchtenden Neonschildern und hoch aufragenden Casinos in Cotai.

Apropos Kolonie: Macau hat eine bewegte Geschichte hinter sich und bietet Besuchern eine faszinierende Mischung östlicher und westlicher Einflüsse. Das Gebiet des heutigen Macaus wurde im 16. Jahrhundert zur ersten europäischen Kolonie in Ostasien, als die Portugiesen 1557 nach langem, blutigem Hin und Her von einem Gericht der chinesischen Ming-Dynastie die Erlaubnis erhielten, sich dort niederzulassen. In den folgenden Jahrhunderten blieb Macau unter portugiesischer Verwaltung – was noch heute an vielen Ecken spür- und sichtbar ist.

Unter der Herrschaft der portugiesischen Kolonialherren wurde Macau zu einem wichtigen Handelszentrum und fungierte als Drehscheibe für den Austausch zwischen China, Japan, Indien und Europa. Insbesondere im 19. Jahrhundert erlebte Macau dann eine Periode des Wachstums, die unter anderem durch den Opiumhandel und das Glücksspiel angetrieben wurde.

Im Jahr 1999, wurde die Kontrolle der Halbinsel über das Gebiet nach mehr als 400 Jahren portugiesischer Herrschaft offiziell an China zurückgegeben. Als Sonderverwaltungszone hat Macau, so ähnlich wie das benachbarte Hongkong, dennoch ihren einen besonderen Status behalten, der es ihr erlaubt, ihr eigenes Wirtschafts- und Rechtssystem zu haben. Dieses unterscheidet sich stark von dem des chinesischen Festlandes.

Das Ganze funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie in Hongkong: Ein Land, zwei Systeme. Macau folgt zum Beispiel einem Rechtssystem, das auf dem portugiesischen Zivilrecht basiert, während China ein sozialistisches Rechtssystem mit chinesischen Besonderheiten hat. Die Sonderverwaltungszone hat auch eine von der chinesischen Zentralregierung unabhängige Justiz, die oft ihre eigenen Entscheidungen oft von der kommunistischen Partei Chinas unbehelligt treffen kann.

Aber: Wie genau wurde diese kleine Halbinsel nun zur weltweit führenden Glücksspielmetropole? Und wie hat die Stadt es geschafft, in bestimmten Wieso stellt sie in bestimmten Aspekten selbst Las Vegas und Monte Carlo in den Schatten zu stellen?

Die Anfänge des Glücksspiels in Macau

Das Glücksspiel ist in der chinesischen Kultur tief verwurzelt und wird seit Jahrtausenden in den unterschiedlichsten Formen praktiziert – Beispiele sind die Spiele Pai Gow, Mahjong oder Sic Bo. Formell wurde das Glücksspiel in Macau aber erst im 19. Jahrhundert durch die Portugiesen legalisiert. – natürlich mit dem Hintergedanken, Geld zu verdienen. Dieser Schritt hob Macau von anderen Kolonien in der Region ab und war maßgeblich für die spätere Entwicklung der Stadt zur weltweiten Hochburg des Glücksspiels.

Die frühen Formen des Glücksspiels in Macau waren recht einfach und reichten von Lotterien bis hin zu Wetten auf Hahnenkämpfe. Das dominierende Spiel in dieser Zeit war jedoch Fan-Tan, ein traditionelles chinesisches Spiel, das von zwielichtigen Charakteren in schäbigen Spielhäusern gespielt wurde. Diese bescheidenen Anfänge stehen rückblickend im krassen Gegensatz zu den schillernden Casino-Komplexen, die heute das Stadtbild von Macau prägen.

Die Einführung des Glücksspiels hatte sowohl wirtschaftliche als auch soziale Auswirkungen auf Macau. Auf der einen Seite half das Glücksspiel, dringend benötigte Einnahmen zu generieren und trug zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt bei. Auf der anderen Seite führte es zu verschiedenen sozialen Problemen, wie Glücksspielsucht und damit verbundener Kriminalität. Trotz dieser Probleme wurde es in Macau weitgehend akzeptiert, da es als notwendiges Übel angesehen wurde, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Eine Straße in der Altstadt Macaus mit portugiesischer Kolonialarchitektur.

Die portugiesische Vergangenheit ist an manchen Ecken Macaus noch immer deutlich sicht- und spürbar. © Yannick Schroth

Stanley Hos Reich: Das STDM-Monopol und die Metamorphose Macaus

Ein besonders markantes Kapitel in der Geschichte des Glücksspiels in Macau begann im Jahr 1962, als die portugiesische Regierung das Glücksspielmonopol an die Sociedade de Turismo e Diversões de Macau (STDM) vergab. Dieses Unternehmen Firma unter Leitung des , angeführt vom visionären Geschäftsmannes Stanley Ho , war maßgeblich an der Transformation Macaus in das weltweit führende Glücksspielzentrum beteiligt.

Stanley Ho wird nicht umsonst oft als “König des Glücksspiels” bezeichnet. Er war eine Schlüsselfigur bei der Gestaltung der Casino-Industrie in Macau. Das Potenzial von Macau als Glücksspieldestination erkannte er früh und trieb die Entwicklung von Luxus-Casinos, Hotels und touristischen Einrichtungen voran. Unter seiner Führung eröffnete die STDM 1970 das Casino Lisboa, das als das erste moderne Casino in Macau galt und den Beginn der modernen Glücksspiel-Ära von Macau markierte.

Der Erfolg eines Marktmodells lässt sich nicht auf einen anderen Markt übertragen. Die besonderen Merkmale Macaus zu ignorieren und Las Vegas oder Atlantic City zu kopieren, wäre keine erfolgreiche Strategie.– Stanley Ho, Macau Business: Macau Business

Die STDM übte erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Landschaft von Macau aus. Die Monopolstellung der Firma ermöglichte es ihr, die Kontrolle über das Glücksspiel in der Stadt zu behalten und massive Gewinne zu erzielen. Diese Gewinne wurden teilweise in die Entwicklung der Stadt reinvestiert, was zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Verbesserung der Infrastruktur führte.

Obwohl die STDM ihre Monopolstellung 2002 verlor, als die Regierung von Macau die Glücksspielindustrie liberalisierte, hat sie einen bleibenden Eindruck dauerhafte Marke in der Stadt hinterlassen und Macau fest als eine weltweit führende Glücksspieldestination etabliert.

Neue Ära, neue Regeln: Das Ende des Monopols und Macaus Glücksspielrevolution

Mit der Übergabe Macaus von Portugal an China im Jahr 1999 gingen bedeutende Veränderungen in der Glücksspielgesetzgebung der Stadt einher. 2001 wurde die Gesetzgebung zum Glücksspiel überarbeitet, was den Weg für die Liberalisierung des Marktes ebnete.

Im Jahr 2002 traten die neuen Gesetze in Kraft und das langjährige Glücksspielmonopol der STDM wurde offiziell aufgehoben. Die Regierung von Macau begann, Lizenzen an eine Reihe von in- und ausländischen Betreibern zu vergeben. Zu den neu lizenzierten Betreibern gehörten prominente Namen wie Wynn Resorts, Sands China und MGM China, die alle auf dem lukrativen Markt Fuß fassen wollten.

Die Liberalisierung des Glücksspielmarktes führte zu einem beispiellosen Aufschwung in der Glücksspielindustrie von Macau. Investitionen in Milliardenhöhe flossen in die Stadt und führten zum Bau von Mega-Casinos und luxuriösen Resorts, die das Stadtbild grundlegend veränderten. – Macau wurde zu einem leuchtenden Glücksspiel-Hotspot, vergleichbar mit Las Vegas in den USA.

Das Casino Wynn Palace in Macau von unten fotografiert.

Das Wynn Palace ist eines der beeindruckendsten und größten Kasinos Macaus. 竟傲 汤/Pexels

Der Aufstieg der Glücksspielindustrie brachte Macau beispiellosen Wohlstand, aber auch neue Herausforderungen. Der rasante Wandel warf Fragen zur sozialen Gerechtigkeit, zum Umweltschutz und zur langfristigen Nachhaltigkeit der auf Glücksspiel basierenden Wirtschaft auf. geworfen. Doch trotz dieser Herausforderungen bleibt Macau ein leuchtendes Beispiel für die transformative Kraft des Glücksspiels.

Grand Lisboa Macau

Das Grand Lisboa ist wohl das bekannteste DAS Wahrzeichen Macaus. Eröffnet wurde es im Jahr 2007 von der Sociedade de Jogos de Macau (SJM), eines Unternehmens, das von Glücksspiel-Mogul Stanley Ho gegründet wurde.

Das Grand Lisboa ragt mit seiner markanten lotusförmigen Struktur und seiner glitzernden Außenfassade aus goldfarbenem Glas in den Himmel Macaus. Mit 58 Stockwerken ist es eines der höchsten Gebäude der Stadt und bietet einen atemberaubenden Blick auf die endlos scheinenden Hochhausreihen.

Innerhalb seiner Mauern verfügt das Grand Lisboa über rund 800 Glücksspieltische und 1000 Spielautomaten. Darüber hinaus beherbergt es mehrere gehobene Restaurants, darunter das “Robuchon au Dôme”, das mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde.

Das Grand Lisboa ist nicht zuletzt auch bekannt für seine beeindruckende Kunstsammlung, die wertvolle Artefakte und Kunstwerke umfasst – darunter auch den “Star of Stanley Ho”, den größten birnenförmigen Diamanten der Welt.

Im zweiten Teil unserer Reportage beschäftigen wir uns damit, was Macau heute beschäftigt und wie die Zukunft für die Sonderverwaltungszone aussehen könnte.

Author: Kevin Hughes