Niederländisches Parlament stimmt über Glücksspielwerbeverbot ab

Eine Gracht in Amsterdam

Der niederländische Politiker Derk Boswijk hat einen Antrag auf ein vollständiges Verbot von Glücksspielwerbung in den Niederlanden eingereicht. Nachdem bereits im letzten Jahr eine Verschärfung erfolgt sei, solle nun im Parlament über eine komplette Verbannung jeglicher Form von Werbung abgestimmt werden.

Eine Gracht in Amsterdam

In den Niederlanden stimmt das Parlament über ein vollständiges Werbeverbot ab. (Symbolbild) © Chait Goli/pexels.com

Politiker sehen Spielerschutz gefährdet

Boswijk verfolge mit dem Antrag das Ziel, junge Menschen und andere schutzbedürftige Gruppen besser vor möglichen Schäden durch Glücksspiele zu bewahren [Artikel auf Englisch], berichtet das Fachmagazin iGaming Business.

Der Antragsteller, dessen Forderung auch von seinen Parteikollegen Diederik van Dijk, Nicolien van Vroonhoven, Michiel van Nispen und Mirjam Bikker unterzeichnet worden sei, sei der Auffassung, dass das Gefahrenpotential in den Niederlanden noch immer zu hoch sei.

Kritik aus der Glücksspielbranche

Peter-Paul de Goeij, Vorsitzender des niederländischen Online-Glücksspielverbandes (NOGA), habe darauf hingewiesen, dass die fortschreitenden Regulierungen der Branche schaden könnten. Er habe sich jedoch grundsätzlich kompromissbereit gezeigt:

Es ist gut, dass der Minister die Regeln für sicheres Glücksspiel klarstellt und damit die Sorgfaltspflicht konkreter macht. […] Gleichzeitig müssen wir stets darauf achten, dass legales Glücksspiel nicht zu unattraktiv wird. Wir werden den Vorschlag sorgfältig prüfen und Vorschläge machen, um ihn zu verbessern und so die gewünschten Effekte zu erzielen. – Peter-Paul de Goeij, Vorsitzender des NOGA, Quelle: iGaming Business

Helma Lodders, Vorsitzende des Verbandes der lizenzierten niederländischen Online-Glücksspielanbieter (VNLOK), habe hingegen kritisiert, dass die Maßnahmen erst unter Beweis stellen müssten, dass sie effektiv seien.

Sie befürchte, dass die harten Einschränkungen des legalen Glücksspiels in den Niederlanden indirekt dem Schwarzmarkt in die Karten spielen könnten. Ähnlich argumentieren auch Glücksspiel-Experten in Deutschland oder Italien.

Das 95-Prozent-Ziel der niederländischen Glücksspielbehörde

Die niederländische Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) verfolge das Ziel, dass 95 % derjenigen, die sich Werbung für Glücksspielangebote ansehen, über 24 Jahre alt sein sollten.

Die KSA habe zunächst eher lockere Rahmenbedingungen geschaffen und darauf gesetzt, dass die Betreiber aus Eigenverantwortung entsprechend reagieren würden. Nachdem dies nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, sei im vergangenen Jahr eine Verschärfung der Werberichtlinien erfolgt.

Das niederländische Parlament werde am Dienstag über den Antrag abstimmen. Sollte dieser eine Mehrheit erhalten, müsse aber noch geklärt werden, wann mit der konkreten Umsetzung der Maßnahmen zu rechnen sei.

Ebenfalls unklar dürfte sein, wie die KSA die Erreichung des 95-Prozent-Ziels validieren könne. Zudem bleibe die Kritik bestehen, dass es noch keine Studie dazu gebe, ob das 95-Prozent-Ziel wirklich zu weniger Glücksspielproblemen beitrage.

Author: Kevin Hughes