Teil 2 der Geschichte der World Series of Poker (WSOP)

digitaler Pokertisch in 3D

In Teil 1 unseres Artikels über die Geschichte der WSOP haben wir uns auf das 20. Jahrhundert konzentriert. In Teil 2 geht es um das digitale Zeitalter und Poker im Internet.

digitaler Pokertisch in 3D

Online Poker wird im neuen Jahrtausend sehr beliebt. © Marko Aliaksandr/Shutterstock

Das digitale Zeitalter: Moneymaker, Online-Poker und die WSOP

Zu Beginn der Jahrtausendwende wurde Online-Poker immer beliebter. Das lag nicht zuletzt daran, dass online um hohe Preisgelder und Tickets für größere Events gespielt wurde. Im Jahr 2003 änderte sich die WSOP und das Pokerspiel jedoch für immer.

Chris Moneymaker (USA), ein Nobody, der seinen Platz im Hauptevent der WSOP durch ein Online-Turnier mit einem Buy-In von nur 86 Dollar gewonnen hatte, schaffte das Undenkbare. Er kämpfte sich durch ein Feld von über 800 Spielern und errang den ersten Platz. Er durfte sich über ein Preisgeld von 2,5 Millionen Dollar freuen.

Moneymakers Sieg war nicht nur wegen des Geldes bemerkenswert. Er verkörperte vielmehr den Traum vieler Amateurspieler: es vom absoluten Niemand zum Champion zu schaffen.

Dieser Sieg und die darauf folgende Medienberichterstattung lösten einen Dominoeffekt aus. Der sogenannte Moneymaker-Effekt [Link auf Englisch] trat ein und verdiente sich seinen Namen. Eine regelrechte Flut von Amateurspielern stürzte sich auf Online-Pokerseiten in der Hoffnung, den nächsten großen Wurf zu machen. Zahlreiche Online-Pokerseiten boten Satellitenturniere an, die den Spielern die Chance boten, einen Platz im WSOP-Hauptevent zu gewinnen, ähnlich wie Moneymaker es getan hatte.

Dieser Boom im Online-Poker hatte direkte Auswirkungen auf die WSOP. Die Teilnehmerzahlen explodierten förmlich: Von 839 Spielern im Jahr 2003 stieg die Zahl auf über 2.500 im Jahr 2004 und erreichte schließlich 2006 mit fast 9.000 Spielern ihren vorläufigen Höhepunkt.

Das Jahrzehnt war auch geprägt von besseren Einschaltquoten für Poker im Fernsehen. Live-Übertragungen, die den Zuschauern erlaubten, die verdeckten Karten der Spieler zu sehen, machten das Spiel deutlich zugänglicher und fesselnder.

Chris Moneymaker und der Online-Poker-Boom

Chris Moneymaker am Pokertisch.

Chris Moneymaker hat mit seinem Sieg bei der WSOP einen regelrechten Poker-Goldrausch ausgelöst. © The Independent

Vor seinem legendären Sieg war Chris Moneymaker Buchhalter im beschaulichen Tennessee, ein unscheinbarer Durchschnittsbürger. Seine Leidenschaft für Poker veranlasste ihn dazu, an einem Online-Turnier auf der Plattform PokerStars mit einem Buy-In von 86 US-Dollar teilzunehmen. Als Preis war unter anderem ein Ticket für das Main-Event der WSOP 2003 ausgeschrieben, welches Moneymaker dann auch gewann.

Beim Hauptevent traf Moneymaker schließlich auf Veteranen des Spiels, ließ sich von diesen aber nicht einschüchtern. Mit einer Mischung aus Geschick und Glück kämpfte er sich an die Spitze und besiegte schließlich Sam Farha im Heads-up, um den begehrten Titel und ein Preisgeld von 2,5 Millionen US-Dollar zu gewinnen.

Die Auswirkungen von Moneymakers Sieg waren phänomenal. Plötzlich wurde Poker nicht mehr nur als Spiel für Profis und hartgesottene Casino-Gänger gesehen. Moneymakers Erfolgsgeschichte vom Online-Pokerspieler zum  WSOP-Champion gab Millionen von Menschen weltweit die Hoffnung, etwas Ähnliches schaffen zu können. Die Folge war ein beispielloser Anstieg der WSOP-Teilnehmerzahlen in den folgenden Jahren.

Auch das Online Pokerspiel erlebte dank Moneymakers Sieg einen Popularitäts-Boost. PokerStars, die Plattform, über die er sich für das Main Event qualifizierte, erlebte einen massiven Zustrom von Spielern und der „Moneymaker-Effekt” war geboren.

Innovation und Tradition: Die WSOP der 2010er Jahre

In den 2010er-Jahren kam es bei der WSOP zu weiteren markanten Veränderungen. Vor allem betraf dies die Erweiterung der Turnierformate. Es wurden nicht nur neue Pokervarianten eingeführt, sondern auch innovative Konzepte wie das „Colossus“-Turnier, das mit einem relativ niedrigen Buy-in eine bislang nie dagewesene Masse an Spielern anzog.

Gleichzeitig wurde die Players Championship ins Leben gerufen. Die Players Championship ist ein Turnier, das verschiedene Pokervarianten kombiniert und sich mittlerweile zu einem der prestigeträchtigsten Formate der WSOP entwickelt hat.

Während der 2010er-Jahre zog das Hauptevent allein regelmäßig mehr als 6.000 Spieler an, und die Gesamtzahl der Teilnehmer über alle Turniere hinweg erreichte Zehntausende. Das resultierte wiederum in enormen Preisgeldern. Die Höhe des Hauptgewinns beim Main-Event überstieg regelmäßig die 10-Millionen-Dollar-Marke.

Icon von Poker-App auf einem Smartphone

Poker wird auch auf dem Smartphone immer beliebter. © OpturaDesign/Shutterstock

WSOP heute: Blick auf die moderne Pokerwelt

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 stellte eine große Herausforderung für die WSOP dar. In Reaktion auf die Vorgaben von Regierungsseite und generelle Sicherheitsbedenken mussten erhebliche Anpassungen bei der Austragung der WSOP-Turniere vorgenommen werden.

Zum ersten Mal in ihrer über 50-jährigen Geschichte wurde die WSOP gezwungen, ein ausschließliches Online-Format einzuführen. Letzten Endes erwies sich dieses aber als voller Erfolg. Es brachte Spieler aus der ganzen Welt an gemeinsame Pokertische und bewies damit die Resilienz der WSOP auch in Zeiten beispielloser Unsicherheit.

Der Erfolg der WSOP scheint derweil ungebrochen. 2023 gewann Daniel Weinman mit über 12 Millionen Dollar im Main Event eine Rekordsumme. Die Teilnehmerzahlen steigen weiter und das Interesse an Poker ist generell rege. Auch in Zukunft werden also noch viele Bracelets vergeben werden.

Author: Kevin Hughes