Therapie gegen Spielsucht: Japanische Forscher stimulieren Affengehirne

Ein Scan des Gehirns

Eine Forschergruppe aus Japan von der Universität Kyoto um den Neurobiologen Tadashi Isa soll die Hirnareale entdeckt haben, die uns zu riskantem Verhalten verleiten könnten, statt vorausschauendes Planen zu ermöglichen. Theoretisch könnten die Erkenntnisse eines Tages in der Spielsucht-Therapie hilfreich sein.

Ein Scan des Gehirns

Japanische Forscher haben das Phänomen der Spielsucht im Gehirn untersucht. (Symbolbild) © MART PRODUCTION/pexels.com

Spielsucht-Experiment mit Affen geglückt

Weil das Gehirn der Japan-Makaken, einer Affenart, einen ähnlichen Aufbau wie das von Menschen aufweise, seien diese bei dem Experiment von Isa und seinem Team eingesetzt worden, wie die WELT berichtet.

Der Aufbau der Studie, die Anfang Januar 2024 im Science Magazine veröffentlicht wurde [Studie auf Englisch], habe auf den ersten Blick jedoch nichts mit Glücksspiel im herkömmlichen Sinne zu tun gehabt.

Stattdessen sei der Versuch so aufgebaut worden, dass Affen ihre Wasserversorgung mit dem Betätigen bestimmter Schalter hätten sicherstellen können. Diese seien aber jeweils immer nur einmal in einem Zeitintervall nutzbar gewesen.

Einige Schalter hätten jedes Mal eine kleine Menge Wasser zur Verfügung gestellt, andere hätten größere Mengen Wasser oder überhaupt kein Wasser mit einer bestimmten Chance ausgegeben.

Die durstigen Affen hätten also vor der Entscheidung gestanden, ob sie ihr Verlangen nach Wasser mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit teilweise stillen oder das Risiko akzeptieren und die Chance auf eine größere Wassermenge eingehen wollten.

Verhalten lässt sich durch Hirnstimulation beeinflussen

Durch Injektionen in einer Region der Großhirnrinde hätten die Forscher zunächst versucht, die Areale ausfindig zu machen, die maßgeblich an der Entscheidungsbildung beteiligt gewesen seien.

Nachdem dies geglückt sei, habe das Team versucht, mit aktiver Stimulation bestimmter Hirnbereiche das gewünschte Verhalten auszulösen. Tatsächlich sei es den Forschern gelungen, entweder das sichere oder risikobereite Verhalten bei den Affen zu triggern, wenn das Hirnareal jeweils entsprechend manipuliert worden sei.

Was kann man als spielsüchtiger Mensch tun?

Allein in Deutschland betreffe dieses Problem rund 1,3 Millionen Personen, wie aus dem Glücksspiel-Atlas 2023 hervorgehe. Zudem gebe es natürlich eine gewisse Dunkelziffer und zahlreiche Menschen, die gefährdet seien, in näherer Zukunft eine Spielsucht zu entwickeln.

Wer selbst Anzeichen eines problematischen Spielverhaltens bei sich verspürt, kann zunächst vom OASIS-Sperrsystem Gebrauch machen und sich bei legalen Anbietern übergreifend vom Glücksspiel ausschließen lassen. Derartige Sperren reichen von 24 Stunden bis hin zum kompletten Ausschluss.

Es gibt zudem zahlreiche gemeinnützige Organisationen, die Hilfe für Betroffene oder deren Angehörige anbieten. Eine von ihnen ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die eine kostenfreie Telefonberatung unter der Rufnummer 0800 / 137 27 00 anbietet.

Studien aus dem Ausland zufolge würden Therapien gegen Spielsucht gute Erfolgsaussichten bieten. Man darf gespannt sein, ob Erkenntnisse der modernen Hirnforschung bei der Entwicklung noch wirksamerer Therapieformen behilflich sein könnten.

Weitere Forschung nötig

Sowohl die Forscher selbst als auch andere Experten, wie Veit Stuphorn von der Johns Hopkins University in Baltimore (USA) hätten erklärt, dass das endgültige Verständnis für Risikoentscheidungen des Menschen durch diese Studie noch nicht erbracht worden sei.

Unter anderem müsse geklärt werden, ob noch andere Hirnregionen an bestimmten Entscheidungsmustern beteiligt seien und wie diese miteinander interagieren könnten. Auch bleibe die möglicherweise eingeschränkte Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf Menschen in Glücksspielsituationen ein Kritikpunkt.

Daher kann derzeit nur darüber spekuliert werden, ob die japanischen Forscher die Therapiemöglichkeiten von Spielsüchtigen wirklich verbessert haben oder ob die Limitationen des Experiments zu groß sind.

Author: Kevin Hughes